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"Meine Sachsen"
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Die Region … und eine kleine Liebeserklärung an Land und Leute Nach Osten erschließt sich die weitere Lausitz, u. a. mit den Städten Bautzen, Görlitz und Zittau; nach Westen liegen Radeberg, Dresden und Meißen, das Elbtal und die Sächsische Schweiz mit den Orten Sebnitz und Bad Schandau. Die Region gibt Einblicke in die historische Heim- und Familienarbeit seit dem 16. Jahrhundert, in die Handweberei, die Blaufärberei, den Silber- und Erzbergbau, die typischen Holzkunst- und Schnitzereiarbeiten, die Töpferei, die Korbflechterei und das Handwerk der Kunstblumenfertigung. Für Familien und Kinder gibt es zahlreiche Attraktionen, wie Freizeitbäder, eine Sommerrodelbahn und verschiedene Go-Kart-Bahnen; in Klein-Welka, nördlich von Bautzen, liegen u. a. anderem zwei sehenswerte und in Europa einzigartige Dinosaurier-Parks. Der Architekturinteressierte findet hier viele der typischen Umgebindehäuser in allen Variationen und Erhaltungszuständen. In den Ortschaften im Cunerstal gibt es sehr, viele besonders gut erhaltene Umgebindehäuser. Für Bergwanderer und Fotografen ist die Region ein wahres Schatzkästlein. Unzählige Museen und heimatkundliche Dauerausstellungen bringen dem Besucher die Entwicklung und die Besonderheiten der Lausitz nahe. Die Region ist überwiegend zweisprachig; die Volksgruppe der Sorben ist – nach Jahrzehnten der Unterdrückung zwischen 1933 und 1945 bzw. der ungeliebten Duldung zu DDR-Zeiten – mit einem gefestigten Selbstbewusstsein wieder in seinem ursprünglichem Lebensraum präsent, entfaltet sich mit seiner eigenen Sprache, pflegt die friedliche Koexistenz und bereichert die Region mit seinen Traditionen und dem angestammten Brauchtum. Die Nähe zu Polen (Görlitz und Zittau) und zu Tschechien (Decin und Liberec) eröffnet mannigfaltige Möglichkeiten des kleinen und großen Grenzverkehrs; wer sich nur zum Tanken oder zum günstigen Zigaretteneinkauf über die Grenze begibt, versäumt manches. Nach Prag sind es rund drei Autostunden und der Weg in die Goldene Stadt an der Moldau ist immer eine Stippvisite Wert; ebenfalls sehenswert, aber nur gut eineinhalb Autostunden entfernt, sind im angrenzenden Sudetenland die Städte Liberec bzw. Decin. Das polnische Breslau, erreicht man auf der A4 über Bautzen in zweieinhalb bis drei Stunden. Landschaft, Geschichte und Kultur machen diesen Teil Sachsens überaus reizvoll, aber wer des Sehens und Erlebens müde ist, dem bietet die Region auch kulinarische Erlebnisse; die Einflüsse aus Polen, Böhmen und Mähren und den Mittelgebirgssektionen haben sich in idealer Weise miteinander verbunden. Die regionale Küche ist deftig und schmackhaft, die Portionen sind großzügig bemessen und die Preise in der Gastronomie sind auch für Familien mit Kindern immer (noch) erschwinglich. Erntekranz, Erbgericht und Gerichtskretscham sind häufige Namen für die Gaststätten und Bauden. Alle bieten ein herzhaftes Angebot an bodenständigen Speisen; von der einfachen und sehr preiswerten Waldhütte bis zum viel besuchten und liebevoll gestalteten Mittelklasserestaurant gibt es für jeden Geldbeutel etwas. Überwiegend sind es alteingesessene Familienbetriebe, und da gibt es vor allem Hausgemachtes. Wer als Selbstversorger im Urlaub nur bei den bundesweit bekannten Lebensmitteldiscountern einkauft, weil er auf Gewohntes nicht verzichten möchte, dem entgehen die handwerklich hochwertigen Bäckereiprodukte; Käse- und Wurstwaren, aber auch die vielfältigen Speisenangebote der Gastronomie, die es hier in großer Vielfalt und in bester Qualität gibt. Weinliebhaber sollten gezielt nach Produkten aus der Region fragen – entlang der Elbe wird vielerorts Wein angebaut; in den kleinen Kellerein lagert mancher edle Tropfen, den man in der Heimat niemals im Regal finden wird. Biertrinker kommen ebenfalls auf ihre Kosten; neben dem Radeberger und dem Freiberger, das bundesweit erhältlich ist, gibt es einige Privatbrauerein, von denen ich hier stellvertretend die Eibauer erwähnen möchte. In Eibau wird unter anderem ein sehr wohl schmeckendes Dunkelbier hergestellt – nichts für eingefleischte Pilstrinker, aber für alle anderen ein Geheimtipp mit leicht süßer und malziger Note. Wer es etwas höherprozentig liebt, der kann sich an ausgezeichneten Obst- und Fruchtbränden aus der Region erfreuen. An dieser Stelle allein auf die touristischen Attraktionen oder kulinarische Genüsse hinzuweisen, das wäre einseitig und respektlos gegenüber den Menschen, die in dieser Region leben. Die Lausitzer, oder sollte ich besser sagen die Sachsen, waren von je her und sind es bis heute – ein Erlebnis der besonderen Art und das nicht nur wegen der unverwechselbaren Mundart. Die Sachsen sind ein liebenswerter Menschenschlag und – allen Vorurteilen zum Trotz – gescheite, fleißige, geschickte und vor allem überaus freundliche und umgängliche Menschen. Die Region hat ihre Menschen noch nie verwöhnt und der sprichwörtlich „Grüne Zweig“ war für die meisten ein Leben lang kaum erreichbar; die Arbeit war nicht nur in vorindustrieller Zeit hart und schlecht bezahlt, und die Perspektiven sind nach der Wende allenfalls optisch besser geworden. Wer tiefer in diese historischen Hintergründe einsteigen möchte, der sollte das Buch „Die Weber“ von Gerhart Hauptmann lesen – es ist immer noch in vielen Belangen zeitgemäß, wenn auch vor einem gänzlich anderen politischen und gesellschaftlichen Hintergrund. Wären die Sachsen nicht so fleißig und arbeitsam, dann würde es für die Zukunft noch schlechter aussehen, als das ohnehin schon der Fall ist. Bescheiden und zuverlässig sind die Menschen hier, nicht überschäumend oder emotional aufdringlich – eher bedächtig und zuversichtlich abwartend. Die Sachsen zeigen ihre Zuneigung auf den zweiten Blick, den ersten nutzen sie nämlich, um den Gegenüber einzuschätzen. Wer sich die Zeit nimmt, den Menschen zu begegnen, bereit ist zuzuhören und ehrliches Interesse für die Probleme und die menschlichen Nöte und Sehnsüchte aufbringt, der wird vieles mehr von den Menschen erfahren, was in keinem Reiseführer geschrieben steht. Wem die Menschen sich so öffnen, den mögen sie und wenn sie einem Vertrauen schenken, dann das ist die größtmögliche Wertschätzung, die einem zuteil werden kann. Wenn der Sachse seinen Gegenüber nicht mag, dann wird er sich das in aller Regel nicht anmerken lassen; er kann nämlich sehr diplomatisch sein. Wenn er aber einmal Vertrauen gefasst hat, dann wird das nur der spüren, den es unmittelbar betrifft – und dann fühlt man sich hier fast wie zu Hause. Das ist ein sehr schönes Gefühl! Übrigens, wer meint, dass die sächsische Mundart schwer verständlich ist, um nur eines der vielen dummen Vorurteile aufzugreifen, die es über die Sachsen gibt, der hat noch nicht gehört, wenn die Älteren mancherorts „quirlen“. Im Gegensatz zum rollenden R der Ostpreußen und dem lebendigen, fließenden R in der ungarischen Sprache, das an der Zungespitze mit dem harten Gaumen gebildet wird, entwickelt der Sachse sein R und auch die Selbstlaute aus den Tiefen des Rachens, weit unten am Zungengrund, was zu überraschend kehligen Lauten in abgesenkter Stimmlage führt. In Verbindung mit der Klangbeugung der Vokale – das Ü wird zum I und das A zum O – und durch die weiche Aussprache der meisten Verschluss- und Explosivkonsonanten entsteht das zu Unrecht belächelte und nur schwer nachahmbare Sächseln. Schwierig wird es erst, wenn die Oberlausitzer in ihre Mundart wechseln – dann geht für den Gast fast nichts mehr, oder was meinen Sie wo Ihr Vermieter hingeht, wenn er sich zum Schissn empfiehlt? Na, bestimmt nicht auf das „stille Örtchen“. Nein, er trifft sich mit seinen Freunden oder Kameraden auf dem Schießstand oder er geht auf die Jagd. Im Zweifelsfall fragen Sie einfach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben – einmal richtig in Fahrt gekommen, merkt der Sachse gar nicht, wenn er auch die Erklärung in seiner Mundart liefert; die Frage- und Antwortdialoge, die dann zustande kommen, schaffen viel Erheiterung, und auch das verbindet bekanntlich. Ein besonderer Reiz geht vom kleinen Wörtchen „nu“ aus, dem der Sachse eine unglaublichen Bedeutungsvielfalt verliehen hat. Je nach Gesprächssituation und Tonfall signalisiert er damit schwerwiegende Zweifel oder grenzenlose Zustimmung, drückt zurückhaltende Verwunderung oder wilde Entschlossenheit aus und natürlich alles, was zwischen diesen weit auseinander liegenden Bedeutungsmöglichkeiten liegt, dabei verzieht er keine Miene, es klingt alles aus dem Tonfall. Der geneigte Leser hat zweifellos schon bemerkt, dass ich mich mit diesem Land und seinen Leuten besonders verbunden fühle. Meine familiären Wurzeln liegen in Breslau und in der Lausitz und … mit der sächsischen Mundart hatte ich noch nie Schwierigkeiten! Man muss nur hinhören wollen, dann kann man (fast) alles verstehen; nicht nur die Sprache, sondern auch die Menschen – leider tun sich viele Deutsche genau damit besonders schwer, wenn sie als Touristen in Deutschland reisen oder andere Länder heimsuchen. Schade eigentlich, denn so werden viele Möglichkeiten zur Begegnung und zum wechselseitigen Verständnis aus unbegründeten Vorurteilen, Bequemlichkeit und Überheblichkeit, manchmal aber auch nur aus Verunsicherung achtlos vertan. Die Fremde ist mehr als die Summe der regionalen Sehenswürdigkeiten; Erfahrung kommt nicht nur vom Herumfahren, sondern auch vom Verweilen und sich Zeit nehmen; das gilt besonders für den Urlaub. Wann sonst könnte man so entspannt Neues aufnehmen und auf sich wirken lassen, wie fern vom Arbeitsalltag und den sonstigen Verpflichtungen. Auf „meine Sachsen“ lasse ich nichts kommen, und das gilt besonders auch für unsere Gastgeber, die Familie Zickler, denen wir an dieser Stelle ganz herzlich für die wunderschönen Urlaubstage danken möchten, die wir in diesem Jahr bei ihnen verbringen durften. Dr. Wolfgang Oertel mit Frau Iris und den Zwillingssöhnen Jan-Hendrik und Jan-Niklas Ostseeinsel Fehmarn - Ortsteil Burg - Sommer 2003 und 2004
Standort Oberlausitz: Ferienhaus Zickler Empfehlungen "Meine Sachsen"
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